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Unser Fanfarenzug

Aus Stabführer.de
Cover der Erstausgabe 1/1959 der „mach mit“ Zeitschrift

Ab 1959 erschien die „mach mit“-Zeitschrift des Zentralrats der FDJ (Abteilung Kultur) für das kulturelle Leben der Jugend. Es ist der Nachfolger der Zeitschrift „Heim und Bühne“ und war monatlich mit 48 Seiten für 75 Pfennig erhältlich. (Lizenz 5450 des Ministeriums für Kultur der DDR, Redaktion Junge Welt)

Nach bisherigem Kenntnisstand erschien die Zeitschrift nur bis 1960.

Ab der Erstausgabe 1/1959 beinhalten die Hefte die Artikelserie „Unser Fanfarenzug“ - Ratschläge und Anleitungen von Siegfried Stolte. Im Fokus steht die Führung und Funktion eines Fanfarenzuges, das Erlernen der Instrumente inklusive Notenbeispielen von Übungen und einfachen Märschen.

Da entsprechende Ausgaben derzeit nicht vollständig vorliegen, lässt sich der genaue Umfang der Artikelserie nicht bestimmen.

Im Folgenden werden vorhandene Ausgaben allen interessierten zur Verfügung gestellt. (Aus archivarischen Gründen wurde bewusst darauf verzichtet, Wortlaute zu ändern. Für die Inhalte ist der Original-Autor verantwortlich. Politisch-idealistische Ansichten, Meinungen oder Aufrufe spiegeln die damaligen gesellschaftlichen Gegebenheiten wider und nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers!)

Folge 1

Abb. 5

Ungezählte große und kleine Fanfarengruppen gibt es in unserer Republik. Daß sie ein sehr wichtiges Mittel der politischen Agitation bedeuten, haben bereits viele ihrer Mitglieder und deren Leiter erkannt. Es gibt sogar schon gute Beispiele, wo die Freunde der Fanfarenzüge ihre musikalische Agitationsarbeit durch wirkungsvolle Sprechchöre unterstützen. Gerade diese Form sollte von anderen Gruppen baldigst übernommen werden.

Da die Fanfarenzüge ein wichtiges politisches Agitationsinstrument für den Sieg des Sozialismus in unserer Republik sind, muß in jedem Falle auch ihre künstlerische Geschlossenheit erreicht werden. In der folgenden Artikelserie wird der Versuch unternommen, allen Leitern und Mitgliedern der Natur-Fanfarenzüge Ratschläge und Anleitungen zu geben. Im wesentlichen beschränkt sich diese Arbeit auf die Naturtrompete und Stricktrommel, da in den meisten Fällen diese Instrumente vorhanden sind. Da die Noten die Buchstaben in der Musik sind, ist es für jeden unbedingt erforderlich, diese zu lernen.

In jedem Monat soll eine Fortsetzung erscheinen. Die Kapitel werden so aufgebaut, daß auch für jeweils einen Monat Lernstoff vorhanden sein wird.

Kleine Instrumentenkunde

Beide Instrumente sind uns in ihrer Urform aus dem Orient bekannt und kommen um die Zeitenwende nach Europa. Bei festlichen Anlässen (Götterverehrungen, Krönungen usw.) wurden besonders die Trompeten (ital. tromba, franz, trompette, engl. trumpet) eingesetzt, deren Röhren damals noch nicht geknickt wurden.

Aus der Instrumentenfamilie der Posaunen entwickelte sich im Mittelalter als hochklingendes Instrument die „trumbette“, die in ihrer Form unseren heutigen Instrumenten sehr ähnelt (Abb. 1).

Besonders Johann Sebastian Bach verlangte in seinen Kompositionen sehr viel Können von den Trompetern. Die Instrumente dieser Zeit wurden sehr eng gebaut, damit vor allem die hohen Töne gut „ansprachen“. Noch heute werden diese Bläser bewundert, die auf ihren Naturinstrumenten die schwierigsten Partien „hervorzauberten“ (Abb. 2).

Im Mittelalter und auch später finden wir die Trompeten in der Militärmusik (u. a. Yorcksche Marsch von Beethoven). Signalartige und fanfarenähnliche Musiken entstanden. Wenn wir heute also zu unserem Instrument Fanfare sagen, meinen wir die Fanfaren- oder Signaltrompete. Da die Röhrenlänge der Fanfarentrompete nicht verändert werden kann, im Gegensatz zur Ventiltrompete und Posaune, sind wir auf bestimmte Töne angewiesen, die durch unterschiedliches Anblasen erzeugt werden. Je lockerer angeblasen wird, um so tiefere Töne erreichen wir und umgekehrt. Diese bestimmte Reihe von Tönen heißt Naturtonreihe. Im Notenbild notieren wir die Naturtonreihe wie folgt:

Das übliche Instrument in unseren Fanfarenzügen ist die tiefe Es-Trompete (gelegentlich auch die Baßtrompete in B, bei den Pionieren gibt es die hohe B-Trompete). Alle diese Instrumente werden aber in der gleichen Naturtonreihe notiert, ganz gleich, ob ihr Grundton „Es“ oder „B“ ist. In der Fachsprache heißt es also: Der Klang ist „Es“, notiert wird „C“. Wenn wir in „C“ notieren, treten beim Notenlernen keine Schwierigkeiten auf.

Da auf der Fanfarentrompete nur die Naturtöne geblasen werden können, nennt man sie auch noch Naturtrompete. Es ist also angebracht, sich auf diesen Namen zu einigen.

Die Teile der Naturtrompete:

Mundstück mit Stimmregulator, Röhre mit 2 Bügeln, Schallstück (Stürze).

Die Trommel (ital. tamburo, franz. tambor, engl. drum) gehört in die Familie der Schlaginstrumente mit unbestimmter Tonhöhe. Aus der Fülle der Trommelarten, die vor allem noch heute bei den außereuropäischen Völkern und besonders bei den Naturvölkern eine große Rolle spielen, sind drei Hauptarten zu nennen: Die große Trommel (meist mit dem Becken verwendet), die kleine Trommel (Marschtrommel oder auch Wirbeltrommel genannt) und die Röhrentrommel (Strick- oder auch Rührtrommel), dazu kommt noch die in jüngerer Zeit aus China übernommene kurze Röhrentrommel, das Tomtom.

Abb. 1
Abb. 2

Alle haben die gemeinsame Zylindergestalt des Resonanzkörpers (Zarge), auf dem oben und unten das Fell gespannt wird. Bei den Röhrentrommeln werden die Felle durch eine im Zickzack umschnürte Leine gespannt (daher auch der Fachausdruck: Leinentrommel) (Abb. 3 und 4).

Die Teile der Stricktrommel:

2 Felle mit Holzreifen, Zarge und Spannstrick, 2 harte Schlegel, Haltegurte.

Aufbau eines Fanfarenzuges

Abb. 3
Abb. 4

Zwei Grundbedingungen beim Aufbau eines Fanfarenzuges sind zu stellen: 1. Einwandfreie Instrumente mit Zubehör und 2. Bläser und Trommler, die Begeisterung und Ausdauer haben. Die Bläser müssen kräftig sein und gutgewachsene Zähne besitzen. Kinder unter 12 Jahren sollten nicht zum Blasen ausgesucht werden; Mädchen sind aus gesundheitlichen Gründen zum Trompetenblasen kaum geeignet. Die Trommler müssen vor allem ein starkes rhythmisches Gefühl besitzen. Bläser, bei denen sich nach den ersten Wochen Ansatzschwierigkeiten bemerkbar machen, sollten lieber zur Stricktrommel greifen. In der Regel kommt auf drei Bläser ein Trommler. Besonderer Wert sollte auf das tägliche Üben gelegt werden, da vor allem bei den Bläsern ein geschmeidiger Ansatz vorhanden sein muß. Die Trommler können beim häuslichen Üben mit den Schlegeln auskommen und „trainieren“ am besten auf einer Tischkante.

Später werden die Bläser in verschiedene Stimmgruppen eingeteilt (1., 2. und 3. Stimme). Hier sollte besonders darauf geachtet werden, daß die hohen Bläser die Instrumente benutzen, die eine enggebaute Röhre besitzen, dazu kommt noch ein enggebautes Mundstück. Wichtig ist auch, daß die Trompeten vorher mittels Stimmregulator genau eingestimmt werden.

Abb. 7

Die Stricktrommeln sind nach dem Gebrauch zu entspannen. Bei großer Hitze und Trockenheit ist es ratsam, die Felle nicht zu stark zu spannen und sie ab und zu mit einem feuchten Lappen zu bestreichen.

Haltung der Instrumente

Abb. 6

Bevor im Zug marschiert wird, ist es notwendig, die Instrumente richtig zu halten. Wichtig ist für alle, daß beim Spielen im Stand beide Beine gleichmäßig das Körpergewicht tragen (Abb. 5).

Die Trompete wird mit der rechten Hand waagerecht gehalten, die Stürze (Schallstück) befindet sich in Stirnhöhe, der linke Arm wird angewinkelt und in die linke Hüfte gestützt. Die rechte Hand umfaßt die Trompete, so wie es die Abbildung 6 zeigt.

Die Trommel darf nicht zu hoch angeschnallt werden und muß festsitzen, damit ungehindert mit beiden Schlegeln geschlagen werden kann. Sie wird links befestigt und soll nach Möglichkeit 45 Grad geneigt werden. Beide Schlegel werden von oben gefaßt. Beim Schlagen ist darauf zu achten, daß die Schlegel beim Ausschlagen nicht über die Stirnhöhe hinausgenommen werden. Es wird nicht auf die Fellmitte, sondern mehr zum Fellrand hin geschlagen. (Abb. 7 und 8.)

Abb. 8

(Fortsetzung folgt)

Siehe auch